Mit der Einführung zusätzlicher 15-Minuten-Produkte im Regelleistungsmarkt steht ein wichtiger Entwicklungsschritt bevor. Ab Oktober 2026 sollen im Markt für aFRR und mFRR neben den bestehenden 4-Stunden-Produkten zusätzliche Viertelstundenprodukte eingeführt werden.
Für Anbieter flexibler Anlagen kann das neue Möglichkeiten eröffnen: Flexibilität lässt sich genauer auf einzelne Zeitfenster ausrichten, präziser steuern und marktseitig differenzierter anbieten.
Der Schritt passt zur Entwicklung des Stromsystems. Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien nehmen kurzfristige Schwankungen in Erzeugung und Verbrauch weiter zu. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Anlagen, die schnell reagieren können: Batteriespeicher, industrielle Lasten, Power-to-Heat-Anlagen, Elektrolyseure oder auch erneuerbare Erzeugungsanlagen mit geeigneter Steuerung.
Warum kürzere Produktzeitscheiben relevant sind
Bisher müssen Anbieter ihre Regelleistung über längere Produktzeitscheiben hinweg vorhalten. Für viele klassische Anlagen funktioniert das gut. Für ein zunehmend erneuerbares und dezentrales Energiesystem bildet diese Struktur die tatsächliche Verfügbarkeit flexibler Assets aber nur begrenzt ab.
Flexibilität ist in der Praxis selten über mehrere Stunden hinweg gleich verfügbar. Sie hängt vom Ladezustand eines Speichers, von Produktionsprozessen in der Industrie, von Wetter- und Erzeugungsprognosen, von Intraday-Preisen sowie von technischen und betrieblichen Restriktionen ab.
15-Minuten-Produkte erlauben eine feinere Granularität der Vorhaltung. Anlagen müssen ihre Flexibilität nicht mehr zwangsläufig über mehrere Stunden anbieten, sondern können gezielter in einzelnen Viertelstunden eingesetzt werden. Das kann Markteintrittsbarrieren senken und zusätzliche Flexibilität erschließen.
Welche Assets besonders profitieren können
Für Batteriespeicher ist die Umstellung besonders interessant. Ihr wirtschaftlicher Wert entsteht aus der optimalen Allokation zwischen verschiedenen Märkten, etwa FCR, aFRR, mFRR, Day-Ahead und Intraday. Kürzere Produktzeitscheiben ermöglichen eine präzisere Entscheidung, wann Kapazität für Regelleistung vorgehalten wird und wann der Speicher besser im Kurzfristhandel eingesetzt wird.
Auch für industrielle Lasten kann das neue Produktdesign relevant werden. Viele Prozesse verfügen über Flexibilität, aber oft nur in klar definierten Zeitfenstern. Das gilt etwa für Power-to-Heat-Anlagen, Elektrolyseure, Kälteprozesse, Pumpen oder andere steuerbare Verbraucher. Wenn Flexibilität nur kurzfristig verfügbar ist, passen 15-Minuten-Produkte besser zur betrieblichen Realität als starre 4-Stunden-Blöcke.
Bei erneuerbaren Anlagen eröffnet die feinere Granularität ebenfalls neue Perspektiven. Wind- und PV-Erzeugung können innerhalb weniger Stunden stark schwanken. Kürzere Produktlaufzeiten können helfen, die tatsächlich verfügbare Flexibilität näher an der realen Erzeugung zu vermarkten.
Die Aggregation bleibt die zentrale Herausforderung
Das neue Design bringt zusätzliche Komplexität mit sich. Denn 15-Minuten-Gebote werden vor der Auktion zu synthetischen 4-Stunden-Geboten zusammengesetzt und als gemeinsames Gebot mit Durchschnittspreis betrachtet.
Fehlen Mengen in einzelnen Viertelstunden, kann die Aggregation scheitern. In diesem Fall werden Angebote automatisch abgelehnt und gelangen nicht in den Markt.
Für Anbieter bedeutet das: Es reicht nicht, einzelne Viertelstunden wirtschaftlich attraktiv zu bewerten. Die Gebotslogik muss sicherstellen, dass die notwendigen Mengen über die relevanten Viertelstunden hinweg konsistent verfügbar sind. Prognosen, Portfoliosteuerung und Gebotsabgabe müssen eng verzahnt sein.
Gerade für kleinere Portfolios oder Assets mit stark schwankender Verfügbarkeit kann das anspruchsvoll werden. Größere, diversifizierte Portfolios haben hier strukturelle Vorteile, weil sie Verfügbarkeiten über mehrere Anlagen hinweg ausgleichen können.
Warum Liquidität über den Erfolg entscheidet
Ob sich die 15-Minuten-Produkte im Regelleistungsmarkt durchsetzen, wird stark von der Liquidität abhängen. Nur wenn ausreichend Angebot in den einzelnen Viertelstunden zusammenkommt, kann aus dem neuen Produktdesign ein effizienter Markt entstehen.
Damit wird die Einführung der Viertelstundenprodukte auch zu einem Test für die Reife der Flexibilitätsvermarktung. Der Markt braucht flexible Anlagen, aber auch Systeme, die diese Flexibilität in hoher zeitlicher Auflösung verlässlich verfügbar machen.
Für Entelios ist diese Entwicklung konsequent. Die Energiemärkte werden kurzfristiger, granularer und stärker von Prognosen geprägt. Genau in diesem Umfeld entfaltet automatisierte Cross-Market-Optimierung ihren Wert.
Fazit: Mehr Präzision, aber auch höhere Anforderungen
Die Einführung zusätzlicher 15-Minuten-Produkte im Regelleistungsmarkt ist mehr als eine Anpassung im Marktdesign. Sie ist ein Schritt hin zu einem Stromsystem, in dem Flexibilität präziser eingesetzt und wirtschaftlich besser erschlossen werden kann.
Für Batteriespeicher, industrielle Lasten und erneuerbare Anlagen entstehen neue Möglichkeiten. Gleichzeitig entscheidet die praktische Umsetzung darüber, wie groß der Mehrwert tatsächlich wird. Aggregation, Liquidität und operative Komplexität werden zentrale Erfolgsfaktoren sein.
Für Flexibilitätsanbieter stellt sich damit eine klare Frage: Ist das 15-Minuten-Produkt unter diesen Bedingungen ein attraktiver zusätzlicher Markt, oder bleibt es zunächst ein Produkt für besonders automatisierte und diversifizierte Portfolios?
Welche Rolle werden 15-Minuten-Produkte aus Ihrer Sicht künftig spielen?














