Mit der neuen EPEX TBx Index Suite gibt es seit Juli 2026 einen zusätzlichen Referenzwert für den Speichermarkt. Die Indexreihe soll transparenter machen, welche Arbitrageerlöse Speicheranlagen innerhalb der Day-Ahead-Auktion theoretisch erzielen können. Für Investoren, Betreiber und Vermarkter ist das ein hilfreicher Schritt, denn mit dem starken Wachstum von Großbatteriespeichern steigt der Bedarf an nachvollziehbaren Benchmarks.
Gleichzeitig ist wichtig: Ein Spread-Index schafft Transparenz, ersetzt aber keine operative Vermarktungsstrategie. Der tatsächliche Wert eines Speichers entsteht erst durch Prognosequalität, technische Verfügbarkeit, optimale Marktallokation und die Fähigkeit, Day-Ahead, Intraday und Regelreserve intelligent miteinander zu kombinieren.
Was misst die EPEX TBx Index Suite?
Die EPEX TBx Index Suite wurde von der EPEX SPOT am 10. Juli 2026 eingeführt. Zum Start stehen zwei Varianten zur Verfügung: Der TB2 Index berechnet die Differenz zwischen dem Durchschnitt der acht teuersten 15-Minuten-Kontrakte und dem Durchschnitt der acht günstigsten 15-Minuten-Kontrakte eines Tages. Er steht damit repräsentativ für eine Speicherdauer von zwei Stunden. Der TB4 Index folgt derselben Logik, nutzt jedoch den Durchschnitt der jeweils 16 teuersten und 16 günstigsten 15-Minuten-Kontrakte eines Tages und steht entsprechend für eine Speicherdauer von vier Stunden.
Damit zeigen die Indizes, wie groß die Preisdifferenz zwischen günstigen Ladezeitpunkten und teuren Entladezeitpunkten innerhalb eines Tages war. Sie bilden also den theoretischen Day-Ahead-Spread ab, den ein Speicher nutzen könnte.
Warum der Index hilfreich ist
Day-Ahead-Spreads sind ein relevanter Indikator für den Wert von Flexibilität. Der Day-Ahead-Markt ist der liquideste Strommarkt und beeinflusst auch die Preisbildung in anderen Märkten. Für Speicher und andere flexible Assets mit batterieähnlichen Eigenschaften ist der Spread daher eine wichtige Orientierungsgröße. Besonders seit der Umstellung der Day-Ahead-Auktion auf 15-minütige Produkte lassen sich diese Preissignale genauer abbilden.
Die TBx-Indizes schaffen einen einfachen und transparenten Benchmark für Day-Ahead-Arbitrage. Die Berechnungslogik ist nachvollziehbar und bietet einen schnellen Überblick über die Spreads eines bestimmten Zeitraums. Zudem können sie als Referenzwert für organisierte Märkte, OTC-Geschäfte oder bilaterale Verträge dienen. Gerade in einem jungen Marktsegment wie Großbatteriespeicher kann ein einheitlicher Referenzwert helfen, Diskussionen zwischen Investoren, Betreibern, Banken und Vermarktern zu strukturieren.
Zusätzlich könnten die Indizes künftig für die Risikoabsicherung relevant werden. Besonders interessant ist die Verbindung zu den geplanten TBx Power Futures der EEX. Diese sollen als standardisierte Börsenprodukte mit zentralem Clearing handelbar sein. Damit könnte ein Teil der Speichererlöse abgesichert und das Kontrahentenrisiko reduziert werden. Wie relevant diese Produkte für Projektfinanzierungen werden, bleibt jedoch abzuwarten.
Was der Index nicht abbildet
So nützlich die TBx-Indizes als Benchmark sind: Sie zeigen nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Speicherwerts. Die Berechnung bezieht sich ausschließlich auf die innerhalb der Day-Ahead-Auktion erzielbaren Arbitrageerlöse. In der operativen Vermarktung spielt die reine Day-Ahead-Optimierung jedoch nur eine begrenzte Rolle. Relevante Mehrerlöse entstehen häufig im volatileren Intraday-Markt sowie in den Regelreservemärkten, insbesondere FCR, aFRR und mFRR.
Vergleicht man die Erlöse einer reinen Day-Ahead-Vermarktung eines Zwei-Stunden-Batteriesystems mit einer Cross-Market-Optimierung, liegen die Erlöse der Cross-Market-Optimierung um mehr als den Faktor zwei höher. Der Grund: Ein Speicher wird wirtschaftlich besonders wertvoll, wenn er nicht starr einem Markt zugeordnet wird. Entscheidend ist, in jedem Zeitpunkt zu bewerten, ob die Kapazität im Day-Ahead-Markt, im Intraday-Handel oder in der Regelreserve den höchsten Beitrag liefert.
Dafür müssen aktuelle und erwartete Marktpreise, Ladezustand, technische Restriktionen, Verfügbarkeit, Degradation, Präqualifikationsanforderungen, Gebotsfristen und Opportunitätskosten zwischen den Märkten laufend berücksichtigt werden. Ein Index kann diese operative Entscheidung nicht ersetzen. Er zeigt, welche Day-Ahead-Spreads theoretisch vorhanden waren. Die Vermarktung entscheidet, wie ein Speicher diese und weitere Erlösmöglichkeiten tatsächlich nutzt.
Wie sich die Spreads entwickelt haben
Ein Blick auf die historische Entwicklung zeigt, warum das Thema an Relevanz gewinnt. Wir haben die Werte des TB2-Index rückwirkend seit 2002 berechnet. Bis 2020 bewegten sich die Werte ohne klaren Trend in einer Bandbreite zwischen 22 Euro/MWh und 66 Euro/MWh. Mit der Gaspreiskrise ab 2021 stiegen die Spreads deutlich an. Im Jahr 2022 erreichte der TB2-Index mit durchschnittlich 177 Euro/MWh im Jahresmittel seinen bisherigen Höchststand.
Seitdem sind die Spreads auf hohem Niveau geblieben. Im bisherigen Jahresverlauf 2026 liegt der TB2-Index bei rund 150 Euro/MWh. Auf Jahresbasis entspricht das einem rechnerischen Erlös von rund 54.700 Euro/MWh. Bei Projektkosten von rund 200.000 Euro/MWh für einen Zwei-Stunden-Speicher hätten reine Day-Ahead-Erlöse damit rechnerisch bereits rund ein Viertel der Investitionskosten gedeckt.
Auch auf Monatsebene zeigt sich ein klarer saisonaler Verlauf. Seit der Umstellung der Day-Ahead-Auktion auf 15-minütige Auflösung zum 1. Oktober 2025 steigen die Spreads in sonnenreichen Monaten deutlich an. Im Juni 2026 lag der TB2-Index bei mehr als 200 Euro/MWh, während er in sonnenarmen Wintermonaten unter 90 Euro/MWh lag.
Fazit: Transparenz ja, Vermarktungsstrategie nein
Die EPEX TBx Index Suite ist ein sinnvoller Schritt für den Speichermarkt. Sie macht Day-Ahead-Spreads vergleichbarer und kann künftig als Referenzwert für Handels- und Absicherungsprodukte dienen. Für die Bewertung realer Speichererlöse reicht der Index aber nicht aus. Der tatsächliche Wert eines Speichers entsteht in der operativen Vermarktung: durch Prognosequalität, technische Verfügbarkeit, optimale Marktallokation und die intelligente Kombination von Day-Ahead, Intraday und Regelreserve.
Für Investoren bedeutet das: Der TBx Index ist ein hilfreiches Marktsignal. Der Business Case eines Speichers entscheidet sich im Betrieb. Spannend wird nun, welche Rolle die geplanten TBx Power Futures der EEX für Hedging und Projektfinanzierung spielen werden. Der Launch der neuen Produkte ist für den 21. September 2026 geplant.
















