Realitätscheck: Cross-Market-Optimierung für BESS

Clean-Tech-Investoren | Energieversorgung

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Teaser Cross-Market-Optimierung

Das Jahr 2025 hat erneut bewiesen, dass der wirtschaftliche Wert von Flexibilität aus Batteriespeichern (BESS) enorm ist. Doch ein bloßer Blick auf die Gesamterlöse reicht für Investoren und Betreiber oft nicht aus. Eine entscheidende Frage lautet auch: Wo wurden diese Erlöse eigentlich erzielt? Unsere Auswertung von 1,5- bis 2-stündigen Batteriesystemen aus dem Portfolio 2025 zeigt deutlich: Wer sich auf starre Strategien verlässt, lässt Geld liegen. Die Cross-Market-Optimierung ist längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern der entscheidende Hebel für die Rentabilität.

Warum starre Vermarktungslogiken an ihre Grenzen stoßen

Wer heute noch glaubt, man könne einen Batteriespeicher einfach pauschal in einem Markt abstellen, wie es das in der Vergangenheit noch gängig war, der irrt gewaltig. Die Realität auf dem Trading-Floor zeigt ein anderes Bild: Die Volatilität der Energiemärkte fordert eine enorme Agilität. Wir beobachten in unserem Portfolio, dass das optimale Erlösverhältnis extrem stark variiert – nicht nur saisonal, sondern von Tag zu Tag und von Viertelstunde zu Viertelstunde.

Eine statische Zuordnung von Kapazitäten führt unweigerlich zu Opportunitätskosten. Mal liegen die höchsten Preise im Intraday-Handel, wenige Minuten später ist der Leistungspreis für die Sekundärregelleistung (aFRR) der Gewinntreiber. Diese Dynamik lässt sich auch extern gut nachvollziehen: Ein Blick auf die Spotmarktpreise bei den Energy-Charts des Fraunhofer ISE visualisiert eindrücklich, wie stark die Spreads im Tagesverlauf schwanken und warum eine starre Vermarktung scheitert.

Cross-Market-Optimierung bedeutet hierbei, genau diese Schwankungen nicht als Risiko, sondern als Chance zu begreifen. Es geht darum, die Assets dynamisch dort zu platzieren, wo der Flexibilität gerade den höchsten Wert hat.

Der Erlös-Mix 2025: Abschied von der FCR-Dominanz

Lassen Sie uns konkret auf die Zahlen schauen. Wir haben die Performance unseres Portfolios an 1,5- bis 2-Stunden-Batteriespeichern über das gesamte Jahr 2025 analysiert. Das Ergebnis dürfte für viele Marktbeobachter durchaus überraschend sein.

Über das gesamte Jahr gesehen stammen etwa zwei Drittel (genau 67 Prozent) der Erlöse noch immer aus der Vermarktung von Regelleistung und Regelarbeit. Hier die Aufschlüsselung der gewichteten Durchschnittserlöse:

  • Wholesale (Spotmärkte und Arbitragehandel): 33 %
  • FCR (Primärregelleistung): 9 %
  • aFRR Kapazitätspreis (Leistungsvorhaltung): 41 %
  • aFRR Arbeitspreis (Energieabruf): 17 %

Cross-Market-Optimierung

Es fällt sofort auf, dass die klassische Primärregelleistung (FCR) mit lediglich 9 Prozent Anteil an den Gesamterlösen eine eher untergeordnete Rolle gespielt hat. Der Löwenanteil im Bereich entfiel mit insgesamt 58 Prozent auf die Sekundärregelleistung (aFRR), aufgeteilt in Kapazitäts- und Arbeitsmarkt. Wer hier nicht präqualifiziert war oder seine Batteriegroßspeicher bewirtschaften ließ, ohne die aFRR aktiv einzubinden, hat den größten Erlöstopf des Jahres 2025 praktisch ignoriert. Auch bildet insbesondere der negative Regelarbeitsmarkt durch günstiges Aufladen häufig überhaupt die Grundlage für hohe Erlöse im Wholesale durch dortiges gewinnbringendes Verkaufen der durch die aFRR geladenen Energie. Zwar wächst die Rolle der Wholesalebewirtschaftung immer weiter, inbesondere bei sehr großen Speichern, Gewinntreiber bleibt aber derzeit die Regelreserve.

Diese Daten decken sich mit den allgemeinen Markttrends, die zeigen, dass Speicher zunehmend die thermischen Kraftwerke in der aFRR verdrängen. Detaillierte Daten zu den abgerufenen Regelenergiemengen und den durchschnittlichen Preisen finden Sie auch direkt auf der SMARD-Plattform der Bundesnetzagentur, welche die Verschiebungen im Energiehandel an Regelreserve-Märkten transparent dokumentiert.

Algorithmusbasierter Stromhandel als Schlüssel zur Performance

Wie setzt man diese Erkenntnis nun operativ um? Kein menschlicher Händler ist in der Lage, rund um die Uhr in 15-Minuten-Intervallen die komplexe Matrix aus FCR, aFRR-Kapazität, aFRR-Arbeit und Intraday-Spread zu analysieren und die Speicheraufladung beziehungsweise Entladung in Echtzeit anzupassen.

Der Schlüssel, um Erträge für Batteriespeicher zu erhöhen, liegt daher in leistungsfähigen und AI gestützten Algorithmen. In unserem Portfolio nutzen wir Systeme, die in Echtzeit die wirtschaftlich optimale Marktallokation berechnen. Dieser algorithmusbasierte Stromhandel berücksichtigt alle zur Verfügung stehenden Optionen simultan und entscheidet autonom, ob es in der nächsten Viertelstunde lukrativer ist, am Intraday-Markt zu traden oder Kapazität für die aFRR bereitzustellen.

Strategische Bedeutung für Batteriespeicherbetreiber und Investoren

Für Sie als Investor/in oder Betreiber/in bedeutet dieser Realitätscheck aus 2025, dass die Anforderungen an die Betriebsführung steigen. Ein Speicher ist nur so gut wie die Software, die ihn steuert. Die Vermarktung von Batteriespeichern an der EPEX Spot oder den Regelreservemärkten erfordert eine technische Infrastruktur, die alle Kanäle bedienen kann. Die Trading Strategien müssen nahtlos mit den Geboten an den Regelreservemärkten verzahnt werden. Wir bei Entelios sehen, dass gerade die Kombination aus aFRR und Wholesale-Trading für 1,5- bis 2-Stunden-Systeme das derzeitige Optimum darstellt.

Dabei darf man nicht vergessen: Märkte ändern sich. Was 2025 die aFRR war, kann 2026 wieder eine Renaissance der FCR oder eine Explosion der Intraday-Spreads sein. Genau deshalb ist die Cross-Market-Optimierung so essenziell. Sie legt sich nicht auf ein Pferd fest, sondern setzt immer auf das schnellste. Das sichert Ihre Investition gegen regulatorische oder marktseitige Verschiebungen ab.

Fazit: Flexibilität muss flexibel vermarktet werden

Ein Blick in unser Portfolio 2025 genügt, um starre Vermarktungsmodelle ad acta zu legen. Mit einem Erlösanteil von fast 60 Prozent aus der Sekundärregelleistung und einem Drittel aus dem Großhandel wird deutlich, dass eine Diversifizierung durch intelligente Steuerung der einzige Weg zu maximaler Rendite ist. Cross-Market-Optimierung ist keine leere Phrase aus dem Marketing, sondern knallharte finanzielle Notwendigkeit für jeden BESS-Business-Case. Wer die Erträge für Batteriespeicher erhöhen will, muss seine Assets dort arbeiten lassen, wo der Markt sie gerade am dringendsten braucht. Und dieser Ort ändert sich alle 15 Minuten.

Wollen Sie wissen, welches Potenzial in Ihrem Speicherprojekt steckt oder wie wir Ihre Bestandsanlagen durch unsere Algorithmen optimieren können? Lassen Sie uns gemeinsam auf Ihre Daten schauen.

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