RIZM & Entelios: Nächste Generation der Flexibilitätsoptimierung

Industrie

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Teaserbild einer Industrieanlage: RIZM & Entelios Partnerschaft Flexibilitätsvermarktung

Die effektive Nutzung von Flexibilität in der Industrie scheitert in der Praxis oft nicht an fehlenden Potenzialen, sondern an der fehlenden technischen Verknüpfung von Produktion und Energiemarkt. Um diese Lücke zu schließen, haben wir gemeinsam mit RIZM eine neue Integrationsstufe entwickelt: End-to-End-Flexibilitätsvermarktung dank ineinandergreifender und vollautomatisierter Prozesse. Durch die Kombination von RIZMs „EnergyOS“ und unserer Vermarktungs-Infrastruktur entsteht eine durchgängige Systemlösung, die industrielle Flexibilitätsoptimierung von manuellen Eingriffen entkoppelt und in einen sicheren, automatisierten Prozess überführt.

In vielen Projekten sehen wir, dass energieintensive Unternehmen über erhebliche Flexibilitäten verfügen. Dazu gehören etwa Elektrodenkessel, Speichertechnologien oder thermische Prozesse. Diese Potenziale bleiben jedoch häufig ungenutzt, da die Sorge vor negativen Auswirkungen auf den laufenden Betrieb überwiegt. Die Herausforderung für uns als Projektverantwortliche bestand folglich darin, eine Lösung zu implementieren, die den operativen Betrieb der Anlage vollständig schützt und gleichzeitig einen direkten Zugang zu den kurzfristigen Energiemärkten ermöglicht. Unser Ansatz basiert auf einem digitalen End-to-End-Prozess, der die Betriebsrealität in Echtzeit abbildet.

Datengrundlage durch digitalen Zwilling und EnergyOS

ENTLIOS & RIZM Partnerschaft in der FlexibilitätsoptimierungDie technische Basis bildet die präzise Erfassung des Anlagenzustands. Wir setzen hierbei auf die Plattform RIZM EnergyOS, die als Schnittstelle zur Prozessleitebene fungiert. Anstatt sich auf statische Fahrpläne zu verlassen, identifiziert das System die verfügbare Flexibilität direkt im On-Site-Betrieb.

Zentrales Element dieser Architektur sind die sogenannten „Flexibility Bands“. Das System quantifiziert die verfügbaren Kapazitäten und errechnet automatisierte Bänder, die den Spielraum für die Lastveränderung definieren. Diese Bänder spiegeln die reale Betriebsfreiheit wider und berücksichtigen strikt alle operativen Constraints der Anlage. Wir arbeiten somit nicht mit theoretischen Annahmen, sondern mit validierten Daten, die sicherstellen, dass die Produktqualität und Prozessstabilität jederzeit gewahrt bleiben. Zur technischen Funktionsweise und dem Nutzen von digitalen Zwillingen im Energiemanagement bietet das Fachportal BigData-Insider eine detaillierte Einordnung anhand von Szenarien.

Implementierung der Cross-Market-Optimierung

Sobald die „Flexibility Bands“ systemseitig definiert sind, erfolgt die Übergabe an die Vermarktungsalgorithmen von Entelios. Wir übernehmen diese Live-Daten und speisen sie direkt in unsere Optimierungslogik ein. Dies ermöglicht uns eine echte Cross-Market-Optimierung über alle relevanten Handelsplätze hinweg: Day-Ahead, Intraday und Regelenergie.

Unsere in-house entwickelte Software nutzt dabei eine KI-basierte Analyse von Preissignalen, um das optimale Vermarktungskonzept für den jeweiligen Zeitpunkt zu ermitteln. Der entscheidende Vorteil dieser tiefen Integration liegt in der Reaktionsgeschwindigkeit. Da wir uns innerhalb der von RIZM vorgegebenen Bänder bewegen, können wir Erträge marktübergreifend maximieren, ohne Rückfragen in der Produktion stellen zu müssen. Das System agiert autonom innerhalb der sicherheitskritischen Grenzen. Einen fundierten Überblick, wie Preisbildung und Handelsmechanismen an diesen Märkten funktionieren, liefert die Bundesnetzagentur auf ihrer Plattform SMARD.

Betriebssicherheit und Kosteneffizienz im Fokus

Aus Projektperspektive ist diese Vorgehensweise ein entscheidender Schritt, um Energiekosten für Industrieanlagen nachhaltig zu senken. Durch die Monetarisierung der inhärenten Flexibilität erschließen wir einen zusätzlichen Wertbeitrag aus den bestehenden Assets.

Der wesentliche Faktor für die Akzeptanz in der Industrie ist jedoch der risikofreie Betrieb. Da die „Betriebsrealität“ in Echtzeit abgebildet wird, ist ausgeschlossen, dass die Vermarktung in Konflikt mit den Produktionszielen gerät. Wir erreichen damit eine ganzheitlich nutzbare Industrieflexibilität, die sowohl den Anforderungen des Netzbetreibers als auch denen des Werkleiters gerecht wird. Diese Form der Flexibilitätsoptimierung wird auch regulatorisch immer relevanter. Das BMWK betont in seinem aktuellen Papier zum Strommarktdesign der Zukunft die Notwendigkeit flexibler Lasten für die Systemstabilität. Mit der hier vorgestellten Lösung sind Unternehmen technisch in der Lage, diese Anforderungen zu erfüllen und davon wirtschaftlich zu profitieren.

Fazit: Prozesssichere Realisierung

Die Partnerschaft zwischen RIZM und Entelios zeigt, wie eine moderne, datengetriebene Energiewirtschaft in der Praxis funktioniert. Wir haben die technische Komplexität in einen robusten Prozess überführt.

In den kommenden Wochen werden wir weitere Details zu den technischen Spezifikationen und Integrationsmöglichkeiten veröffentlichen. Wir laden Sie zudem ein, uns auf der E-World zu besuchen. Dort können wir anhand konkreter Beispiele demonstrieren, wie sich die Lösung in Ihre bestehende Infrastruktur integrieren lässt.

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