Das Jahr 2026 wirft seine Schatten voraus – und zwar ziemlich große, grüne Schatten. Wir übernehmen die Intraday-Bewirtschaftung eines ca. 60-MW-Offshore-Wind-PPAs für einen unserer Kunden aus der energieintensiven Industrie. Doch was bedeutet das konkret für die Bilanzkreise und warum reicht der reine Kauf von Grünstrom heute oft nicht mehr aus? Ein Einblick in Prognoseabweichungen, Algorithmen und echte Kosteneffizienz.
Es ist ein weiterer wichtiger Meilenstein: Zum Start des Jahres 2026 übernehmen wir die operative Verantwortung für einen beachtlichen Offshore-Windpark. Konkret geht es um die Intraday-Bewirtschaftung eines Power Purchase Agreements (PPA) mit einer Leistung von ca. 60 Megawatt. Der Abnehmer ist ein klassischer Vertreter der energieintensiven Industrie. Das klingt zunächst nach einer simplen Vertragsnachricht, doch dahinter verbirgt sich eine komplexe Herausforderung der modernen Energiewirtschaft.
Wer heute in der Industrie seine Dekarbonisierung vorantreiben möchte, greift oft zu PPAs. Häufig greift man dabei auf sogenannte “pay as nominated” Verträge zurück. Dabei wird der erzeugte Strom wie prognostiziert geliefert. Potenzielle Abweichungen liegen im Risko des Windparkbetreibers. Für die Übernahme dieses Risikos werden hohe Gebühren verlangt, welche PPAs häufig unwirtschaftlich gestalten. Eine Alternative dazu sind sogenannte “pay as produced” Verträge. Dabei sind die Gebühren deutlich niedriger und dadurch wirtschaftlicher, allerdings verbleibt das Risiko der Abweichungen beim Abnehmer des PPAs.
Wenn die Prognose wackelt: Die Tücken von „Pay as Produced“
Lassen Sie uns kurz auf das Grundproblem schauen. Bei einem „Pay as Produced“-PPA erhält das Industrieunternehmen den Strom exakt dann, wenn die Rotoren sich drehen. Nun sind Offshore-Windparks zwar stetiger als Onshore-Anlagen, aber auch sie unterliegen meteorologischen Schwankungen, die sich oft erst kurz vor der tatsächlichen Lieferung präzisieren.
Für den Bilanzkreisverantwortlichen bedeutet das Stress. Wir sehen das in unseren Daten immer wieder: Die Prognose vom Vortag (Day-Ahead) weicht oft signifikant von der Lieferung ab. Wenn Sie diese Abweichungen nicht managen, landen Sie unweigerlich in der Ausgleichsenergie. Und die kann teuer werden. Sehr teuer sogar.
Die Bundesnetzagentur analysiert diese Preisspitzen regelmäßig in ihren Berichten. Gerade in Zeiten hoher Volatilität können die Kosten für Ausgleichsenergie (reBAP) extrem ausschlagen und die Marge eines PPA zunichtemachen. Ein Blick in den aktuellen Monitoringbericht der Bundesnetzagentur zeigt eindrücklich, wie volatil diese Märkte sind und warum eine passive Haltung hier keine Option mehr ist.
Genau an diesem Punkt setzen wir an. Es geht nicht nur darum, den Strom zu haben. Es geht darum, die Energiekosten für Industrieanlagen zu senken, indem man diese unvermeidbaren Prognosefehler nicht dem Zufall überlässt, sondern aktiv bewirtschaftet. Wir nehmen unserem Kunden hier signifikante Mengen- und Preisrisiken ab, indem wir nicht warten, bis die Rechnung für die Ausgleichsenergie kommt, sondern vorher aktiv werden.
Der Algorithmus als Händler: Geschwindigkeit ist alles
Wie lösen wir dieses Problem nun in der Praxis? Manuell ist das bei einem 60-MW-Portfolio und der Dynamik im Energiemarkt kaum noch effizient zu leisten. In der Regel gibt es gerade bei Wind eine hohe Gleichzeitigkeit, das heißt man ist nicht alleinig betroffen von der Prognoseabweichung
Deshalb setzen wir auf algorithmusbasierten Stromhandel. Unser System, das sich bereits vielfach in der Intraday-Lastoptimierung bei unseren Kunden bewährt hat, kommt nun auch im PPA-Kontext zum Einsatz.
Stellen Sie sich das so vor: Der Algorithmus überwacht kontinuierlich die Wetterdaten und die aktuelle Einspeisung. Er vergleicht die „Prognose D-1“ (Vortag) mit der „aktuellsten verfügbaren Prognose. Sobald sich eine Lücke auftut – sagen wir, es wird weniger Wind erwartet als gedacht –kauft das System die fehlenden Mengen blitzschnell am Intraday-Markt nach. Andersherum verkauft es überschüssige Mengen sofort gewinnbringend, wenn der Wind stärker bläst als geplant.

Das geschieht im kontinuierlichen Intraday-Handel, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Hierbei profitieren wir enorm von der steigenden Liquidität an den Kurzfristmärkten. Die EPEX SPOT verzeichnet seit Jahren Rekordvolumina im Intraday-Segment, was algorithmischen Handel erst effizient macht. Die aktuellen Marktdaten der EPEX SPOT belegen diesen Trend zur Kurzfristigkeit eindrucksvoll. Durch dieses Intraday Trading für Industrieanlagen glätten wir das Profil, bevor es überhaupt zu einer teuren Bilanzkreisabweichung kommen kann.
Risikominimierung statt Spekulation
Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ob das nicht riskante Spekulation ist. Das Gegenteil ist der Fall. Wir spekulieren nicht auf steigende oder fallende Preise. Wir sichern Mengen ab. Unser Ansatz lässt sich dabei auf einen klaren Kern reduzieren: Wir machen PPAs wieder wirtschaftlich, indem wir hohe Risikoabschläge durch algorithmischen Intraday-Handel vermeiden.
Ein unbewirtschaftetes PPA ist wie ein Auto ohne Stoßdämpfer auf einer Schlaglochpiste. Man kommt zwar an, aber es tut weh und das Material leidet. Unsere Intraday-Bewirtschaftung ist das aktive Fahrwerk, das jede Unebenheit sofort ausgleicht.
Für unseren neuen Kunden aus der Industrie bedeutet das konkret:
- Kostengünstigere Beschaffung: Durch die Vermeidung teurer Ausgleichsenergie sinken die effektiven Kosten pro Megawattstunde.
- Planbarkeit: Die Volatilität des Windes schlägt nicht voll auf die Bücher durch.
- Grünere Energieversorgung über mehrere Standorte hinweg: Der Kunde kann den grünen Strom bilanziell sauber nutzen, ohne operativ im Chaos zu versinken.
Synergien nutzen: Von der Laststeuerung zum PPA-Management
Was uns an diesem Projekt besonders freut, ist der Transfer von Know-how. Der Algorithmus, den wir hier nutzen, ist keine Neuentwicklung auf der grünen Wiese. Er hat seine Wurzeln in der automatisierten Laststeuerung und im Demand Response.
Früher haben wir Algorithmen primär genutzt, um den Verbrauch von Industrieanlagen flexibel an das Angebot anzupassen. Wir haben also die Nachfrageseite optimiert (Lastverschiebung). Jetzt drehen wir den Spieß um und optimieren mit derselben technologischen DNA die Erzeugungsseite beziehungsweise die Beschaffungsseite.
Das zeigt doch wunderbar, wie die Welten zusammenwachsen. Industrielle Anlagen energieeffizient zu betreiben, heißt heute eben nicht mehr nur, eine neue Pumpe einzubauen. Es heißt, Datenströme zu beherrschen. Ob wir nun einen Batteriespeicher vermarkten, eine Last abwerfen oder eben ein Wind-PPA glattstellen: die Logik der Flexibilitätsvermarktung bleibt im Kern dieselbe: Wir nutzen Schnelligkeit und Intelligenz, um Ineffizienzen im Markt auszugleichen.
Fazit: Ohne Bewirtschaftung ist Grünstrom nur die halbe Miete
Die Industrie ist bereit, große Schritte in Richtung Klimaneutralität zu gehen. Aber sie braucht Partner, die die Komplexität der Energiemärkte verstehen und technisch handhaben können. Ein 60-MW-Offshore-PPA ist ein gewaltiges Asset. Es einfach nur „laufen zu lassen“, wäre betriebswirtschaftlich fahrlässig. Mit der aktiven Intraday-Bewirtschaftung machen wir aus einem volatilen Naturprodukt ein verlässliches Beschaffungsinstrument.
Möchten Sie tiefer verstehen, wie wir die Risiken Ihres Portfolios minimieren können oder suchen Sie nach Wegen, Ihre Energiekosten für Produktionsanlagen zu Optimieren und durch intelligente Algorithmen zu verbessern? Sprechen Sie uns an!












