Jahresrückblick 2025: Positiver Trend bei der Flexibilitätsvermarktung bestätigt

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Teaser Flexibilitätsvermarktung

Wenn wir uns die nackten Zahlen von 2025 ansehen, wird für die Flexibilitätsvermarktung eines ziemlich schnell klar: Das war kein „Ausreißerjahr“. Was wir in den letzten zwölf Monaten gesehen haben, ist vielmehr die Bestätigung eines Trends, der sich schon länger abgezeichnet hat, aber jetzt mit voller Wucht in den Bilanzen ankommt. Wer darauf gewartet hat, dass sich die Märkte nach der Energiekrise 22/23 einfach wieder „beruhigen“ und wir zum alten Trott zurückkehren, der dürfte sich spätestens jetzt verwundert die Augen reiben. Die Ruhe ist nämlich nicht zurückgekehrt – und das ist für alle, die Flexibilität im Portfolio haben, eigentlich die beste Nachricht des Jahres.

Die Renaissance der Regelreserve (und der Aufstieg der aFRR)

Hand aufs Herz: Lange Zeit galt die Sekundärregelleistung (aFRR) als der etwas weniger glamouröse Bruder der Primärregelleistung (FCR). Doch 2025 hat das Gefüge ordentlich durchgeschüttelt. Während wir nach den kurzzeitig abfallenden Marktpreisen der Nach-Krisen-Zeit vielleicht eine Stagnation erwartet hätten, zeigen unsere Daten eine positive Entwicklung in allen Märkten der Regelreserve.

Aber, und das ist der spannende Punkt, der eigentliche Star war die aFRR. Die hat nämlich signifikant zugelegt. Wenn wir uns die rollierenden Jahreseinnahmen anschauen, sehen wir einen Graphen, der für die aFRR fast schon sprunghaft nach oben zeigt, während sich die anderen Märkte eher seitwärts bewegen.

Flexibilitätsvermarktung: mittlere JahreseinnahmenDas ist für uns bei Entelios das klare Signal: Der Energiehandel an Regelreserve-Märkten verschiebt sich. Es reicht schlicht nicht mehr, Flexibilitäten stur in einem Markt zu parken. Wer heute noch Erlöse maximieren will, muss dynamisch verschieben. Auch die Bundesnetzagentur bestätigt in ihrem jüngsten Marktbericht für 2025, dass der Bedarf an systemdienlichen Eingriffen hoch bleibt und Flexibilität zunehmend systemkritisch wird. Das erklärt die stabilen Erlöse in diesen Märkten.

Volatilität schlägt Preisniveau: Das 138-Prozent-Phänomen

Hier wird es jetzt richtig interessant für die Analysten unter uns. Wir starren ja oft wie das Kaninchen auf die Schlange, wenn es um den absoluten Strompreis in Euro pro MWh geht. Dabei passiert die Magie eigentlich woanders: beim Spread.

Unsere Auswertungen zeigen für 2025 zwar einen leicht gestiegenen Durchschnittspreis von 89 €/MWh (verglichen mit 79 €/MWh im Vorjahr), aber das ist gar nicht die entscheidende Kennzahl. Viel wichtiger ist das Spread-Preis-Verhältnis. Das lag 2025 bei satten 138 %.

Was heißt das im Klartext? Die Volatilität im Verhältnis zum allgemeinen Preislevel ist weiter auf einem extrem hohen Niveau. Für einen reinen Verbraucher ohne Steuerungsmöglichkeiten ist das nervig, ja vielleicht sogar bedrohlich. Aber für die Flexibilitätsvermarktung? Da ist das Musik in den Ohren. Ein hoher Spread bedeutet, dass der Wert der Flexibilität steigt, unabhängig davon, ob der Strom gerade billig oder teuer ist. Die Differenz macht den Gewinn.

Flexibilitätsvermarktung: Preis vs TagesspreadDas bestätigt uns einmal mehr: Die Energiekostenoptimierung für Produktionsanlagen funktioniert heute nicht mehr über den simplen Einkauf, sondern über die intelligente Bewirtschaftung dieser Schwankungen.

576 Stunden unter Null: Ein neuer Rekord mit Ansage

Erinnern Sie sich noch an den Juli 2025? Der war auffällig sonnenarm. Man könnte meinen, das drückt die Zahl der negativen Preisphasen, weil weniger PV-Strom ins Netz drückt. Pustekuchen.

Tatsächlich haben wir 2025 das vierte Jahr in Folge einen neuen Rekord an negativen Preisen im Kurzfristhandel gesehen. Ganze 576 Stunden lagen die Preise unter Null. Zum Vergleich: 2022 waren wir noch bei überschaubaren 69 Stunden. Das ist eine Verachtfachung in nur drei Jahren.

Flexibilitätsvermarktung: Negative Day-Ahead-PreiseDas muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Anstatt diese Stunden als Risiko zu sehen, sollten wir sie als Einladung verstehen. Diese negativen Stunden bergen ein großes Potenzial für die Optimierung der Beschaffungskosten. Wer seine industriellen Anlagen energieeffizient betreiben und dabei noch Geld sparen will, für den sind diese Zeitfenster wie gemacht. Aber man muss sie eben auch „erwischen“. Manuell ist das kaum noch zu schaffen, da braucht es schon automatisiere Laststeuerung und Algorithmen, die schneller sind als der Markt.

Diese Dynamik wird auch durch die aktuelle Jahresauswertung des Fraunhofer ISE untermauert: Mit dem erneuten Rekordzubau bei Photovoltaik und Windkraft in 2025 korrelieren die Preisschwankungen nun fast 1:1 mit der Wetterlage – eine Steilvorlage für alle, die ihre Lasten intelligent steuern.

Attraktivität des Intraday-Handels steigt weiter

Noch so ein Trend, den wir schon seit einigen Jahren beobachten: Die Musik spielt immer öfter kurz vor knapp. Wir beobachten eine leichte Verlagerung der Mengen aus der Day-Ahead-Auktion in den kontinuierlichen Intraday-Handel.

Das Handelsvolumen wächst dort kontinuierlich. Das ist gut, denn steigendes Volumen sorgt für Liquidität im Markt. Für uns bedeutet das: Die Chancen in der Intraday-Optimierung werden nicht weniger, sie werden greifbarer. Wer hier mit Cross-Market-Optimierung unterwegs ist – also Flexibilitäten blitzschnell zwischen Day-Ahead, Intraday und Regelenergie hin- und herschiebt – der kann diese Liquidität direkt in Zusatzerlöse für Energieunternehmen oder Industriebetriebe ummünzen.

Gerade für Batteriespeicher zur Vermarktung am Intraday-Handel ist diese Entwicklung Gold wert. Speicher sind ja per Definition die Schnellboote im Stromnetz. Wenn der Markt liquide ist und die Preise springen (wir erinnern uns an die Volatilität), dann sind Speicher in ihrem Element.

Fazit: Komplexität annehmen statt vereinfachen

Wenn ich mir das Jahr 2025 so ansehe, dann ist die Botschaft eigentlich eindeutig: Die Zeiten der einfachen Lösungen sind vorbei – und das ist auch gut so. Der Markt belohnt mittlerweile diejenigen, die mit Komplexität umgehen können.

Es reicht einfach nicht mehr, nur auf einen Markt zu schauen. Die Kunst – und ja, ich nenne es bewusst Kunst, auch wenn viel Mathematik dahintersteckt – liegt in der Cross-Market-Optimierung. Man muss die Lastflexibilität für industrielle Anlagen nutzen, genau dann, wenn der Spread am größten ist, und vielleicht eine Stunde später schon wieder im aFRR-Markt bereitstehen, weil dort die Preise gerade durch die Decke gehen.

Wir bei Entelios sehen uns da ja nicht nur als Dienstleister, sondern eher als Navigatoren durch diesen immer wilder werdenden Dschungel. Die Daten aus 2025 bestätigen uns in unserem Kurs: Wer flexibel bleibt, gewinnt. Nicht trotz, sondern wegen der Volatilität.

Möchten Sie wissen, wie viel ungenutztes Potenzial in Ihren Anlagen oder Speichern steckt, wenn man sie gegen diese Marktdaten laufen lässt? Lassen Sie uns doch mal unverbindlich Ihre Lastprofile analysieren.

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